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Alt 24.10.2004, 20:23   #1
mfabian
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Standard Ab 25.10.04: Dow, Dollar, Gold, Öl, US-Wahlen: Die heisse Phase beginnt

Da Freund Germanasti in Urlaub ist, habe ich die Ehre, den neuen Wochenthread eröffnen zu dürfen.

Dabei möchte ich insbesondere auf die im Titel erwähnten Themen eingehen, die uns letzte Woche intensiv beschäftigt haben und und auch in der kommenden Woche in Atem halten werden.

Beginnen wir mit den

Börsen

Der Dow Jones hat am Freitag den Kampf um die wichtige Marke von 9800 ganz klar verloren, sogar 43 Punkte unter dieser Marke geschlossen und somit gleichzeitig ein Tages- wie auch ein Jahrestief markiert.

Die nächste Unterstützung liegt bei 9700. Darunter sind weit und breit keine Unterstützungen mehr auszumachen.



Interessanter Weise ist bisher nur der Dow Jones an einem neuen Jahrestief angelangt. Die anderen Indizes stehen noch weit davon entfernt:



Beim S&P-500 fehlen noch gut 30 Punkte oder 3%.



Der Nasdaq steht (Google sei dank?) noch knapp unter dem letzten Top. Etwa 10% fehlen zu einem neuen Tief.



Ähnlich die Situation bei Schosshündchen DAX. Auch der ist noch weit entfernt von neuen Tiefständen.


Was in dieser Situation erstaunt, ist das völlige Ausbleiben von Panik. Man beachte die beiden Oberen Charts des VTO-Reports: http://www.vtoreport.com/sentiment/sentiment.htm
(Die Charts lassen sich hier nicht direkt verlinken, deshalb bitte dem Link folgen).

Wir sehen eine Bullen-Quote, wie wir sie sonst nur aus der Rally 2003 kennen. Das ist ausserordentlich seltsam und lässt sich nur mit der Hoffnung auf eine Wahlrally erklären, die bisher allerdings ausgeblieben ist.

Interessant auch der klassische Angst-Indikator VIX (Erklärung siehe hier), der sich derzeit immer noch in der Nähe seines Rekordtiefes aufhält.



Unter normalen Umständen sinkt der VIX und steigt das bullische Sentiment, wenn die Kurse nach oben gehen. Ist ein gewisser Level an Euphorie und Selbstzufriedenheit erreicht, können selbst die allerbesten News die Märkte nicht mehr weiter nach oben treiben. Sie werden als Selbstverständlichkeit hingenommen. Die Kurse stagnieren, Gewinnmitnahmen setzen ein und die Kurse beginnen zu sinken.

Mit sinkenden Kursen verschlechtert sich die Stimmung, der VIX steigt und das bullische Sentiment sinkt. Irgendwann ist die Stimmung so am Boden, dass selbst die schlechtesten Nachrichten nicht mehr zu sinkenden Kursen führen können. Ein Boden bildet sich und die Kurse beginnen wie aus dem Nichts wieder zu steigen.

In den Reigen der Merkwürdigkeiten reiht sich auch das Put-Call-Ratio ein, das in den letzten Tagen gesunken ist. Warum verkaufen die Leute Puts, wenn die Kurse sinken?

Meine Schlussfolgerung aus diesen Beobachtungen lautet:

Es gibt keinerlei Angst oder Panik im Markt. Einerseits glauben alle noch an eine Wahlrally bzw. freuen sich schon auf die Jahresendrally, andererseits ist aber auch niemand mehr bereit, so kurz vor den US-Wahlen noch gross in Aktien zu investieren.

Das ist soweit logisch, erklärt aber noch nicht, weshalb es offenbar Leute gibt, die in der jetzigen Situation verkaufen.

Mögliche (Verschwörungs-)Theorien:

* Einige Big-Boys (z.B. Soros) verkaufen nun gezielt Aktien um den Dow zu schwächen und somit die Wiederwahl-Chancen von GWB zu verschlechtern.

* Es wird mittlerweile sogar Amerikanern klar, dass GWB die Welt nicht sicherer sondern unsicherer gemacht hat und dass in einer zweiten Amtszeit mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Irak-Krieg auch ein Iran-Krieg folgen dürfte.

* Die Sorge um das wachsende Haushaltsdefizit verbreitet sich und vor allem ausländische (nicht-amerikanische) Investoren verschieben ihre Gelder lieber in den eigenen Wirtschaftsraum. Die akute Dollarschwäche dürfte diesen Trend noch verstärken.

* Die Hoffnung auf sinkende Ölpreise durch Freigabe der strategischen Reserven wurde nicht erfüllt. Nun sind viele Häuslebauer zähneknirschend gezwungen, Heizöl zu Rekordpreisen einzukaufen. Das trübt die Stimmung und bindet Geld, das andernfalls vielleicht in Aktien investiert worden wäre.

* Die Zahlen und Statistiken made in USA werden langsam als Disneyland entlarvt. Dass sich letzte Woche Greenspan und Bernake in ihren Einschätzungen über die Auswirkungen des Ölpreises auf die Wirtschaft diametral widersprochen haben, dürfte auch nicht zur Stabilisierung beitragen.


Über die weiteren Aussichten kann man würfeln

Stünden wir nicht so kurz vor den Wahlen wäre der Fall wohl klar: Am Montag noch etwas runter, dann kleine Hoffnungsrally (gut zum Laden von Puts) und danach ab in die Hölle.

Für Montag erwarte ich zunächst ein weiteres Absinken der Märkte. Zumindest der DAX dürfte Montag morgen mit einem Panik-Gap-Down eröffnen. Die Wallstreet dürfte sicher auch noch negativ eröffnen und um 16:00 Uhr gucken wir mal, wieviel Opa in den Open Market pumpt.

Wichtig ist nach wie vor die 9800er Marke beim Dow. Wird sie zurückerobert, entspannt sich die Situation allmählich. Wenn nicht, ist vorerst Feuer frei für die Bären.


Öl



Beim Öl sehen wir ein schönes Blow-Off-Top, wie Pit in seinem Pit's weekly richtig bemerkt hat.

Die Kurve des Anstieges ist ein klassisches Parabol und diese Parabole müssen schon aus rein mathematischen Gründen irgend wann zusammenbrechen, denn steiler als Senkrecht ist ein Anstieg nicht möglich.
Wer sich für Parabole als Trading-Indikator interessiert, dem empfehle ich den Artikel Trading HUI Parabolas von Adam Hamilton. In diesem Artikel geht es zwar um die Parabole im HUI aber mathematisch lassen sich diese Erkenntnisse auf alle Verlaufskurven übertragen.

Meine Einschätzung für Öl lautet wie folgt:

Viele Einfamilienhaus-Besitzer haben vergeblich darauf spekuliert, dass die Ölblase bei $50, $52, $55 platzen würde, wenn Bush aus wahlkampftaktischen Gründen die strategischen Ölreserven auf den Markt werfen würde. Pustekuchen :

Nix mit geplatzer Spekulationsblase, nix mit billigem Öl und Wahlrally. Zähneknirschend müssen nun die Tanks gefüllt werden, denn die Temperaturen sinken.

Sind die Tanks dann gefüllt, so dürfte die Öl-Blase bei Stand von $60 ab Mitte November dann tatsächlich platzen. Zwar nicht auf $30 oder darunter, wie Germanasti meint, aber bis $45 könnte der Crash schon gehen.

Danach werden sich wieder die fundamentals wieder durchsetzen, die uns klipp und klar bestätigen, dass Indien und China ihren Lebensstandard verbessern wollen und dementsprechend in Zukunft vermehrt Öl nachfragen werden.

Im Traders Daily hat es Michael Vaupels sehr schön auf den Punkt gebracht:

Zitat:
Wenn ich gefragt werde, warum ich davon überzeugt bin, dass wir es bei den Rohstoffen eindeutig mit einem Bullenmarkt zu tun haben (was zwischenzeitliche Korrekturen natürlich nicht ausschließt), dann kann ich mit einem Satz antworten:

Eine unersättliche Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot.

So einfach ist das.


Fazit: Öl wird fallen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Allerdings wissen wir weder, wann es fallen wird, noch ab welchem Niveau Deshalb Finger weg von Öl-Shorts!

Ein kleines Trostpflaster für uns Europäer:



Zumindest in Euro hat Öl dank erneuter Dollarschwäche kein neues Jahreshoch erreicht. Noch nicht

Mit diesem Hinweis auf die Dollarschwäche habe ich nun ganz elegant die Überleitung auf den nächsten Themenkreis geschafft ( )


Dollar, Euro, Gold

Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass in der vergangenen Woche weder Gold noch Euros noch Schweizer Franken gestiegen sind.

Nicht? Doch, ist so. Es ist nur der Dollar gefallen

Konzentrieren wir uns also auf den Dollar:



Der Dollar befindet sich in einem langanhaltenden Bärenmarkt, dessen oberer Widerstand die fallende 200-Tageslinie bildet.

Bisher (Oktober 2002 und August 2003) war es immer ein sicherer Trading-Tip, den Dollar just bei seinem Rebound an die GD200 zu shorten. Wer die Beiträge von Syracus aufmerksam gelesen hat, weiss das.

Zugegeben, diesmal hat sich der Dollar recht wacker gehalten und von Mai bis Oktober länger um die GD200 gependelt als in der Vergangenheit.

Im 6-Monats Chart sieht man das besser:



Der aktuelle Absturz dürfte meiner Einschätzung nach den Dollar-Index noch in die Gegend 78 bis 83 drücken (also nochmals 5-10% Verlust), bevor eine technische Reaktion einsetzt.

Auslöser für diese technische Reaktion dürfte eine weitere Anhebung der Leitzinsen um 25 bp sein. Schon in den letzten 5 Monaten konnte der Dollar seine relative Stabilität nur dank steigender Zinsen in den USA aufrecht erhalten.

Langfristig gibt es keine fundamentalen Gründe, die für eine Erholung des Dollars sprechen. Das Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit der USA machen es immer unwahrscheinlicher, dass die USA jemals in der Lage sein werden, ihre enormen Auslandsschulden auf legalem Wege zurückzuzahlen. Mit "legal" meine ich "ohne massivste Dollar-Abwertung".

Insofern unterstütze ich auch die Meinung von Germanasti, dass sich der Dollar auf dem Weg zur Parität befindet.



Allerdings zur Parität mit dem Schweizer Franken und ich glaube nicht, dass wir noch bis zum Jahre 2009 warten müssen, bis wir hier die Parität sehen.


US-Wahlkampf

Dass der Dow Jones just 10 Tage vor der Wahl ein neues Jahrestief erreicht, ist sicher nicht vorteilhaft für eine Wiederwahl Bushs und die Polls zeigen mittlerweile auch, dass es offensichtlich zu einem Kopf-an-Kopfrennen zwischen Bush und Kerry kommen wird.

Die Amerikaner lieben historische Statistiken und Zahlenspielereien und achten auch darauf. Deshalb hier ein paar statistische Zahlen:

Aus den letzten 26 Wiederwahlen ergibt sich folgendes Bild:

* 16 mal hat der Amtsinhaber gewonnen, 10 mal der Herausforderer.

* Hatte der Amtsinhaber gewonnen, war in 15 von 16 Fällen das darauffolgende Jahr ein gutes Börsenjahr.

* Hatte der Herausforderer gewonnen, war es in 9 von 10 Fällen ein schlechtes Jahr.

* Wenn der DJ im Oktober um 3.3% oder mehr stieg, hat der Amtsinhaber bisher immer gewonnen.

* Verlor der Dow hingegen 0.5% oder mehr, hat immer der Herausforderer gewonnen.

Der Dow schloss Ende September bei 10'078 Punkten. Kerry-Anhänger müssen also nur den Dow auf 10027 oder darunter drücken, um - nach dieser Statistik - die Wahl zu gewinnen. Bush müsste im Gegenzug den Dow über 10411 heben, um "sicher" zu gewinnen.

So wie es im Moment aussieht, müsste also Kerry als eindeutiger Wahlsieger hervorgehen.

Über die Reaktion der Börse nach der Wahl gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Eine davon steht weiter oben und lautet, dass nach der Wiederwahl des amtierenden Präsidenten die Börsen steigen, bei seiner Ablösung durch den Herausforderer sinken. Begründung hierfür lautet: "Den amtierenden Präsidenten kennen wir und können ihn einschätzen. Den neuen Präsidenten kennen wir aber noch nicht."

Demgegenüber steht eine andere Statistik, die besagt, dass es der Wirtschaft unter Demokraten besser geht als unter Republikanern.

Hinzu kommt, dass Dubya wohl als der Präsident mit der schlechtesten Wirtschaftspolitik in die Geschichte eingehen wird. Nicht nur dass er mit dem Irak-Krieg die ganze Welt gegen sich aufgebracht hat (Insbesondere auch jene Länder, die seine Staatsschulden finanzieren sollen). Sondern auch durch die massive Ausweitung der US-Schulden, die das amerikanische Volk auf Generationen hinaus belasten wird.

Germa hat mal die ketzerische Behauptung aufgestellt, dass Greenspan die US-Börsen just vor den Wahlen absacken lässt, um die Wiederwahl Bushs zu verhindern. Nun, Alan Greenspan ist Republikaner. Warum sollte er das tun?

Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Börse Unsicherheiten gar nicht liebt. Sind die Wahlen mal gelaufen und der neue Präsident steht fest, ist die Unsicherheit draussen und - egal wer gewonnen hat - können die Börsen wieder steigen.

Allerdings! Wenn wir schon von Ketzern und Ketzerei sprechen, lasst mich noch einen weiteren Ketzer ins Spiel bringen: Syracus
Es ist nämlich noch gar nicht erwiesen, dass der neue oder alte Präsident schon am Morgen des 3. November feststehen wird. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass wir ein ähnliches Wahldebakel wie 2000 sehen werden und der neue Präsident erst nach nervenaufreibendem Warten Wochen nach der Wahl feststehen wird.


Fazit

Für eine Wahlrally ist es nun zu spät. Die Hoffnung sinkt, dass Bush die strategischen Ölreserven freigeben wird und somit auch die Hoffnung auf eine Börsenrally.
Es wird nächste Woche sicher einen verzweifelten Versuch geben, die Märkte nochmals nach oben zu drücken aber den dürften clevere Trader wohl eher dazu nutzen, Shortpositionen aufzubauen. Alleine PCR, VIX und Bull/Bear-Ratio deuten darauf hin, dass nach oben nicht viel Power im Markt ist und wegen der Unsicherheit des Wahlausganges werden die Big-Boys auch mit Käufen zuwarten.

Der Dollar hat noch 5-10% Potential nach unten, was für den Euro durchaus Kurse um 1.30 für die nächste Woche bedeuten würde.
Gold dürfte entsprechend die $430-$434 in den nächsten beiden Wochen erreichen und der HUI die 250 in Angiff nehmen, wenn nicht gar auf 270 überschiessen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute und erfolgreiche Woche

Happy Trades

Marcus
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Alt 24.10.2004, 20:33   #2
_SL_
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Alt 24.10.2004, 20:52   #3
Förster
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Alt 24.10.2004, 21:03   #4
AHKorte
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Moin alle zusammen


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Alt 24.10.2004, 21:07   #5
Förster
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china :

friedhelm busch war wohl kürzlich dort. einzig shanghei boomt wie´d sau, wobei dort aber KEIN geld verdient, sondern nur INVESTIERTwird. das hinterland völlig verarmt und verslamt. wer denkt, das hier die nächsten 3 jahrzehnte ein inlandsboom vonstatten geht, irrt gewaltig. wie unser scheff immer sagt: "verlagerung von produktionsstätten, kein boom".

zusammenhang von dollars, arbeitsplätzen, ölpreis, zukunftsaussichten usw. liegt meiner meinung nach einzig mit folgender stellungnahme. die FAKTEN sprechen für sich:

http://emfis.com/Index.1+M51e80d59ef7.0.html

Steht China vor einer Krise wie 1929 die USA?

Friday, 15. Oct 2004, 16:09



Das geläufigste und effizienteste Mittel zur Steuerung der Wirtschaftsentwicklung stellt nach der Auffassung der Marktteilnehmer das Zinsniveau dar. Dabei kann man zwischen den Marktzinsen und den Leitzinsen unterscheiden. Letztere haben wohl eher eine psychologische Funktion und stellen für den Markt einen Richtwert dar, der sich aber nicht zwangsläufig daran halten muss. Doch in China fehlt dieses Instrument der Steuerung völlig. Das kurzfristige Zinsniveau in China befindet sich unterhalb des Inflationsniveaus und führt zu einer massiven Ausweitung der kreditfinanzierten Spekulation, vor allem im Immobiliensektor. So sind die Inlandskredite im Verhältnis zum BIP zwischen 1995-2003 von 87,1 Prozent auf 166,2 Prozent gestiegen. Berücksichtigt man dabei das jährliche BIP-Wachstum von rund 10 Prozent, haben sich die Kredite seit 1995 um den Faktor sechs gesteigert.

Hinzu kommen grenzüberschreitende Effekte. Darunter fallen massive Investitionsflüsse aus Europa und den USA in Richtung China, die das Resultat einer unverantwortlichen Zinspolitik der weltweiten Notenbanken und hier insbesondere der US-FED ist.

Dies zur Erklärung der Situation. Doch die FED hat bereits reagiert und befindet sich dabei seine Zinsen anzuheben. Zu langsam, wie ich meine, aber die Tendenz ist klar. Denn wenn die US-Zinsen am kurzen Ende über dem chinesischen Niveau liegen (In China beträgt das Zinsniveau für kurzfristige Bankguthaben 0,8 Prozent), was mit aktuell 2 Prozent der Fall ist, könnte dies zu massiven

Das Argument, welches immer gegen eine Zinserhöhung vorgebracht wird, ist die Angst vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Zudem wird davon ausgegangen, dass sich das Wirtschaftswachstum durch zahlreiche staatliche Kontrollmaßnamen gebremst würde und es deshalb keinen Grund für eine Anhebung der Zinsen gibt.

Doch diese Argumente gehen meiner Meinung nach am eigentlichen Kernproblem vorbei. Denn die unverhältnismäßige Ausweitung der Kredite stellt den Bankensektor an den Rand einer Krise. Vor allem der Bestand an Immobilien erhöht sich Jahr für Jahr weiter. Der Hintergrund des Immobilienbooms sind dabei weniger steigende Preise, als vielmehr eine unkontrollierte Ausweitung des Bestands. Irgendwann jedoch könnte diese Ausweitung dazu führen, dass die Preise für Immobilien fallen werden, wie es bereits sehr häufig in lokal begrenzten Gebieten der Fall war. Die Unternehmen verlagern ihre Produktionsstätten zunehmend in Gebiete, in denen die Löhne und Landpreise noch niedriger sind. Die starke Nachfrage in einigen Regionen an der Ostküste könnte sich deshalb in Zukunft etwas abschwächen. Obwohl Immobilieninvestitionen in China weiterhin attraktiv erscheinen, könnte es in den nächsten ein bis zwei Jahren zu einem temporären Einbruch kommen. Vor allem Spekulanten, die mit erheblichen Krediten arbeiten und kaum Eigenkapital besitzen dürften darunter erheblich leiden.

Die Problemkredite würden trotz der Anstrengungen der Zentralregierung einen weiteren Schub nach oben erfahren und könnte dem Bankensektor eher früher als später, einen Strich durch ihre Börsenpläne machen.

Die Angst vor einer „harten“ Landung ist demnach nicht unbegründet. Krassimir Petrov hat die Probleme vor denen China stehen könnte in einem Gastbeitrag für Dr. Marc Fabers Gloom Boom & Doom Report dargelegt:

„Ökonomen begrüßen das Wirtschaftswachstum Chinas und viele von ihnen realisieren nicht, dass China zurzeit einen inflationären Kreditboom erlebt, der den Kreditboom der USA in den 20er Jahren klein erscheinen lässt. 2002 betrug das offizielle BIP Wachstum in China 8 % und 2003 waren es 8,5 % und einige Analysten glauben, dass diese Zahlen konservativ sind. Laut Angaben der chinesischen Zentralbank (http://www.pbc.gov.cn/english/baogaoyutongjishuju) stieg die Geldmenge Chinas, also die Kreditmenge, da jeder Yuan das Resultat einer Kreditaufnahme ist, von 11,89 Billionen in 2001 auf 15,96 Billionen in 2003 auf 22,51 Billionen Yuan im Januar 2004. Mit anderen Worten stieg die Geldmenge in 2001, 2002 und 2003 um 34,2 %, 19,3 % und 18,1 %. Damit stieg die Geldmenge in China etwa drei mal schneller, als die Geldmenge der USA während er 1920er Jahre“.

Dieser Vergleich zeigt deutlich, dass China unter Umständen vor einer wirtschaftlichen Depression stehen könnte, die jegliche Hoffnungen in einen nachhaltigen und weltweiten Wirtschaftsaufschwung über Nacht zerstören könnte. Die Kapitalrenditen der chinesischen Unternehmen sind dabei ein unumstößlicher Hinweis dafür, dass Gefahr im Verzug ist.

Wie die USA in den 20er Jahren ihren Status als größter Agrarexporteur und Kreditgeber der Welt, vor allem für Großbritannien und die Weimarer Republik darstellte, unterstützt China heute seinen Produktionssektor, indem es die erlösten Gelder in US-Staatsanleihen parkt.

Doch wann diese China Krise kommen wird hängt von einigen Faktoren ab. Marc Faber glaubt, dass sie aufgrund einer möglicherweise bald bevorstehenden Konsumabschwächung in den USA eher früher als später kommen wird. Petrov datiert eine mögliche Krise auf die Zeit nach den olympischen Spielen in Beijing 2008. Auch meine Kontakte in China bestätigen mir ihre Erwartung einer Immobilien- und Wirtschaftskrise nach 2008. Denn im Vorfeld möchte die Zentralregierung ihre großen Vorhaben noch realisieren.

Allerdings sind eine Reihe weiterer externer Faktoren für die Entwicklung maßgeblich. So führt der starke Anstieg der Produzentenpreise (Strom, Öl, Stahl) und der gleichzeitige Preisverfall bei Endprodukten (TV, Handy, Autos, Spielzeug, usw.) zu einem starken Einbruch der Gewinnmargen und Kapitalrenditen. Auch die USA erlebten in den 20er Jahren eine ähnliche Entwicklung.

Die unübersehbaren Parallelen sollte Investoren daher zur Vorsicht mahnen. Aufgrund der zeitlichen Differenz von drei bis sechs Monaten bis maximal einem Jahr zwischen Börsenentwicklung, Wirtschaftsentwicklung und Geldmengenwachstum bliebe für wachsame Spekulanten wohl noch eine Hintertür offen.

Sie sollten deshalb als Aktionär trotz des hohen Wirtschaftswachstums nicht in Euphorie verfallen und ein Auge auf die Geldemengenentwicklung in China und den USA kritisch beobachten.

Langfristig wird eine Wirtschaftskrise in China das Land aber eher stärken als schwächen. Genauso wie der Siegeszug der US-Wirtschaft nach 1945 ebenfalls nicht aufzuhalten war.

Die größte Gefahr stellt in diesem Zusammenhang jedoch eine mögliche geopolitische Krise dar, die bereits heute beim weltweiten Kampf ums Öl sichtbar ist. Die Krise im Sudan und der Umstand, dass dort US-Interessen auf chinesische Ölinvestitionen (CNPC - Petrochina) stoßen, sorgt bei mir jedenfalls für einiges Unbehagen.

15.10.04 (al) - copyright EMFIS

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china verbrennt, bevor es überhaupt gestrahlt hat
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Geändert von Förster (24.10.2004 um 21:17 Uhr).
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Alt 24.10.2004, 21:10   #6
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Zitat:
Zitat von Förster

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Das hättest du auch schon vor 6 Monaten schreiben können. Passiert ist allerdings nichts.
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Alt 24.10.2004, 21:15   #7
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@mfabian,


das Eingangsposting von germa lese ich nie, deines habe ich von oben bis unten durchgelesen.

Wie ich schon geschrieben hatte. Der Crash an den US-Börsen hat in Euro schon begonnen. In Dollar wird er folgen.
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Zitat:
Zitat von AHKorte

Moin alle zusammen


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Alt 24.10.2004, 21:18   #9
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joo, möge das Timing mit uns sein.
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Alt 24.10.2004, 21:19   #10
wuerfel
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Clown

Hallo,

folgender Kurzbericht würde demnach für Kerry als Sieger sprechen::

US-Anleger meiden den US-Markt

Amerikanische Aktienfonds haben diese Woche 212 Millionen Dollar an neuen Anlegergeldern auf sich ziehen können. Dies meldete heute der Branchendienst AMG Data Services. Dabei hätten Fonds, die international investieren, einen Zufluss von 362 Millionen Dollar erzielt. Fonds, die lediglich US-Titel halten, mussten hingegen einen Abfluss von 267 Millionen Dollar hinnehmen. Ebenfalls gemieden wurden die Anlageregionen Japan und Südamerika.

Noch in der Vorwoche lag der Mittelzufluss in Aktienfonds um 1,1 Milliarden Dollar höher. Immerhin konnten die dritte Woche in Folge weitere Einnahmen gemeldet werden.

Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nac...kel-3987838.asp

Gruss
wuerfel
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Alt 24.10.2004, 21:19   #11
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In Dollar noch gesund,





in Euro eine Monster-SKS


Da wird auch bald die Dividende Schwindsucht bekommen, zumindest in Euro.

Keine Macht den Drogen!
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Alt 24.10.2004, 21:20   #12
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Zitat:
Zitat von Förster

servus meister

wird noch viel geld zu verdienen geben, so oder so.


Aber nur, wenn du auf der richtigen Seite stehst.
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Alt 24.10.2004, 21:26   #13
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paule

du nervst bis zum anschlag in letzter zeit
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Alt 24.10.2004, 21:27   #14
wuerfel
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.......ach ja Marcus, danke... und eine erfolgreiche Woche!! :

wuerfel
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Alt 24.10.2004, 21:28   #15
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Vorsicht Goldwährung!

Angesichts der immer deutlicher werdenden Instabilitäten auf dem Finanzmarkt erkennt zunehmend die Bevölkerung, daß in unserem Geldsystem etwas nicht in Ordnung sein kann. Das wird schon daran deutlich, daß sich die Verschuldung in allen Staaten der Welt viel schneller entwickelt, als die Wertschöpfung. So steigen die Verbindlichkeiten beispielsweise in Deutschland etwa dreimal schneller als das Bruttosozialprodukt. In den USA liegt diese Kennziffer sogar bei vier bis fünf.

Mit anderen Worten: Dieses Zins-Schuldsystem ist unweigerlich zum Bankrott verurteilt!

Leider werden daraus in der Öffentlichkeit oftmals nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Immer mehr Leute glauben, daß die Probleme durch ein neues Gold-Geld gelöst werden könnten, nach dem Motto: "Dann hat Geld endlich wieder einen Wert" oder "Meine Großmutter hat schon gesagt: Gold ist immer was wert". Würde man eine Umfrage auf der Straße machen, so würden bestimmt über neuzig Prozent der Befragten die Einführung von Gold-Geld befürworten.

Von interessierter Seite wird diese Stimmung gerne aufgegriffen und noch entsprechend gefördert. Sogar von Notenbankseite wurde schon geäußert, daß man das Geld wieder in Form eines Goldstandards an das Gold koppeln sollte - Geld könnte dann nur noch emittiert werden, wenn entprechend Gold bei der Notenbank eingelagert würde. Kaum bekannt ist hingegen den meisten, daß ein Geld aus Gold noch viel instabiler und schlimmer wäre als das heutige Schuld-Geldsystem.

Goldgeld bedeutet: Kein Gold, kein Geld, Armut

Die Goldwährung und der Goldstandard lösen keine Probleme, sondern schaffen nur noch mehr.
Die Probleme beginnen damit, daß die meisten Länder weltweit überhaupt kein Gold besitzen. Egal ob Goldwährung oder Goldstandard, die meisten Länder der Welt wären dann dazu gezwungen um Geld zu schaffen, sich Gold von den wenigen Groß-Goldbesitzern der Welt zu deren Bedingungen und entsprechend hohen Zinsen zu leihen. Selbstverständlich müßten diese Summen ständig und in immer höherem Maße "bedient" werden. Alles was wir heute an Belastungen durch den Zins haben, würden sich noch weiter verstärken, weil das Gold noch zusätzlich finanziert werden müßte.

Heute kann ein verarmter Staat wie bspw. Bangladesh durch Papiergeld mit wenig Aufwand ein eigenes Geld schaffen, das den Warenaustausch im Land sicherstellt. Was sollen diese Nationen machen, wenn sie Gold dafür benötigten?

Eine noch größere Verarmung auf der Welt wäre die logische Folge. Nicht umsonst waren die Zeiten der Goldwährungen auch immer die Zeit, in der die Massenarmut am größten war. Es waren die Epochen mit Kinderarbeit, 16 Stunden Arbeitstag, niedrigen Löhnen, Elend.

Doch die Reihe der Probleme geht noch weiter.

Goldgeld bedeutet: Kein Währungspuffer mehr zwischen den Staaten

Wenn alle Länder am Gold hängen , dann ist keine angepaßte Währungspolitik mehr möglich - alles hängt dann am Goldpreis. Die schwächeren Länder bluten dabei regelrecht aus, da Wechselkurspuffer fehlen. Heute gleichen die Wechselkurse die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen den Ländern aus. Fehlen Wechselkurspuffer, etwa weil die Währung im Kurs festgelegt wurde, dann kommt es automatsich zu zunehmenden Spannungen. Die Resultate lassen sich anhand der Finanzkrisen der letzten Jahre studieren: Egal ob Asien-, Rußland-, oder Argentienenkrise - die Probleme begannen mit fehlenden Wechselkurspuffern. Unterschiedliche Länder brauchen unterschiedliche angepasste Währungen ohne an der Goldkette zu hängen.

Das wohl größte Problem unserer Zeit, das Geld vom Zins zu trennen, wird mit Gold unmöglich.

Goldgeld ist immer Zinsgeld

Das Problem beim Zinsgeld ist, daß es exponentiell die Schulden vermehrt. Zwangsläufig kommt es dabei zur Krise, weil die Überschuldung nicht mehr bezahlt werden kann. Am Ende müssen Schulden gemacht werden, nur um die Kapitalkosten zahlen zu können. Goldgeld ist dafür jedoch keinesfalls keine Lösung, sondern es ist automatisch immer Zinsgeld. Wer erkannt hat, daß der Zins von selbst rein mathematisch in den Abgrund führt, muß auch einsehen, daß Gold gerade keine Lösung ist. Gold läßt sich beliebig lange horten, deshalb wird es niemand ohne eine "Belohnung" freiwillig zinsfrei verleihen. Goldgeld ist Zinsgeld schlechthin.

Beispiel: Ein Geschäftsmann braucht einen Kredit, um nötige Maschinen etc. zu kaufen. Also geht er zum reichen Goldgeldbesitzer und leiht sich 1000 Goldtaler. Dieser verlangt "selbstverständlich" einen deftigen Zins, weil er weiß, daß sein Gold "ewig" hortbar in seinem Tresor bleiben kann, der Unternehmer jedoch auf Kohlen sitzt und dringend das Geld braucht. Deshalb kann der Goldgeld-Inhaber einen Zins erpressen - leistungslos versteht sich.

Nach diesem Schema läuft das ganze Gold-Geld-System ab, womit sich immer höhere Gold-Forderungen aufbauen ganz nach der Zinseszinsrechnung. Das System scheitert genauso wie unser heutiges - nur mit dem "kleinen" Unterschied, daß man Papiergeld wenigstens noch nachdrucken kann und so das System länger laufen kann, während bei Gold alle ganz schnell bankrott sind - mit Ausnahme des reichen Gold-Geld-Besitzers.

Nochmals: Goldgeld ist IMMER Zinsgeld, weil niemand Gold ohne Zins herausgibt. Demgegenüber läßt sich Papiergeld so gestalten, daß es freiwillig auch zinsfrei weitergegeben wird und damit stabil ist.

Entsprechend schneller noch als heute schon werden die Reichen reicher, die Armen ärmer.

Auch für die Wirtschaft als ganzes ist Gold-Geld alles andere als vorteilhaft.

Keine flexible Anpassung an die Wirtschaft möglich

In einer stabilen Wirtschaft muß die umlaufende Geldmenge parallel zur steigenden Wirtschaftsleistung zunehmen, da mehr erzeugte Waren auch gleichzeitig mehr Tauschmittel dafür benötigen. Goldgeld läßt sich demgegenüber nicht einer sich ändernden Wirtschaftsleistung anpassen, da die Goldförderung nie der Wirtschaftsleistung entsprechend erhöht werden kann. Das bedeutet, daß die Wirtschaft wächst, nicht jedoch die entsprechende Geldmenge. Damit wird Geld relativ zu den Waren seltener und damit wertvoller - die Preise fallen, es kommt zur Deflation. Eine einmal in Gang gekommene Deflation läßt sich nicht mehr stoppen, da ein Teufelskreislauf aus fallenden Preisen, rückgängien Unternehmensgewinnen, Firmenpleiten, Arbeitlosigkeit, sinkender Kaufkraft, weiter einbrechende Unternehmensgewinne... entsteht. Am Ende führt eine Deflation zur Wirtschaftskrise, letztlich zum Krieg um Gold. Das war auch der Grund für die Indianervernichtung, um Gold für die Geldherstellung zu erbeuten.

Wie sagte Pythagoras: "Ehret Lykurg, denn er ächtete das Gold, die Ursache aller Verbrechen!" Lykurg ließ erfolgreich Geld aus Eisen machen.

Machtproblem

Wenn das Geld weltweit an das Gold gekettet wird, dann bekommen die wenigen großen Goldproduzenten und Besitzer auch eine ungeheure Macht. ihnen bleibt es dann überlassen, die Weltwirtschaft aufblühen oder untergehen zu lassen, je nachdem wie sie die Goldmenge oder den Goldpreis manipulieren. Das Goldgeld führt dabei ganz schnell in eine neue Form von Diktatur: Die Herrschaft der Goldknute.

Keine Vorteile

Gegenüber den vielfältigen Nachteilen hätte eine Goldwährung nur wenige Vorteile zu bieten:

1.) keine Inflation

2.) psychlogisch bedingt höheres Vertrauen in die Währung

Übersehen wird jedoch, daß wir heute

a) gar keine Inflation haben und Inflation auch noch nie das große Problem war und

b) daß es keine Probleme mit dem Vertrauen in unsere heutige Papierwährung gibt. Selbst der ungeliebte Euro wird von jedem aktzeptiert.

Man will also Probleme lösen, die wir gar nicht haben. Dabei war in der Geschichte eine Inflation noch nie das große Problem - selbst in der Hyperinflation 1923 in Deutschland hatte jeder zu essen, Arbeit etc - im Vergleich dazu gab es Arbeitslosigkeit, Hunger, mit der Folge Krieg etc. nur in der Deflation der dreißiger Jahre. Demgegenüber baut man massive Verwerfungen durch eine Goldwährung auf (nochmals kruz wiederholt):

1.) ständige Deflation, da das Gold automatisch vom Markt verschwindet

2.) sobald auch nur der geringste Anschein einer Krise kommt (wie bspw. nach dem Terroranschlag in New York vom 11.9.01) zieht sich das Goldgeld sofort vom Markt zurück und die Wirtschaft taumelt (ohne daß irgendjemand was dagegen machen könnte) in eine sich selbst verstärkende Deflationsspirale.

3.) schwache Länder bluten aus, da sie sich kein Gold leisten können, bzw. keines besitzen. Das Kapital geht ohne Wechselkurspuffer immer von den schwachen in die starken Länder.

4.) keine Ausgleichsmechanismen zwischen den unterschiedlichen Ländern möglich, alles wird über einen Gold-Kamm gescheert.

5.) Machtproblem: Die wenigen großen Goldbesitzer erlangen die komplette Macht über das weltweite Geld und die Menschheit - Golddiktatur mit Goldknute - Einer Minderheit bleibt es überlassen, ob die Wirtschaft funktioniert oder nicht.

Falsch verstandene Funktion des Geldes

Die Vorliebe für ein Goldgeld kommt von einer völlig falsch verstandenen Funktion des Geldes. Viele Leute meinen, Geld an sich müssen einen stofflichen Wert haben, übersehen jedoch, daß die dem Geld gegenüberstehenden Waren die einzige "Deckung" sind.

Geld ist ein Gutschein, der den Erwerb von beliebigen Waren/Dienstleistungen ermöglichen soll. Im Endeffekt geht es in jeder Wirtschaft nur darum, daß Waren und Dienstleistungen gegeneinander ausgetauscht werden - Geld ist nichts weiter als ein Tauschvermittler.

Untaugliches Goldgeld - ein Beispiel

Damit man die Untauglichkeit einer Goldwährung durchschaut folgender Vergleich:

Ein Kaufhaus möchte Warengutscheine an die Kunden verschenken - Zweck: Die Kunden sollen bald möglichst in den Laden gelockt werden. Man überlegt sich, wie der Gutschein gestaltet sein soll und kommt auf drei grundsätzliche Möglichkeiten:

a) Gutschein ist aus Gold (Wert = Warenwert), mit dem Aufdruck "Gutschein von Warenhaus XY"

b) Gutschein ist aus Papier, ebenfalls mit Aufdruck und unbegrenzter Gültigkeit

c) Gutschein ist aus Papier mit Aufdruck und begrenzter Gültigkeit von 4 Wochen.

Frage: Was wird wohl bei den einzelnen Gutscheinmöglichkeiten passieren?

a) Der Goldgutschein wird praktisch überhaupt nicht eingelöst, sondern wird von den Besitzern vergraben, in den Tresor gelegt, im Wohnzimmer ausgestellt...

Er erfüllt also kaum seinen Zweck als Gutschein zum Erwerb von Waren.

b) Der Papiergutschein mit unbegrenzter Laufzeit kommt gemächlich in das Warenhaus zurück. Die besitzer lassen sich Zeit mit dem einlösen - da er ja unbegrenzt einlösbar ist. Ein guter Teil der Gutscheine wird gar nie eingelöst, da er von den Besitzern einfach "vergessen" wird.

c) Einzig die Papiergutschein mit begrenzter Laufzeit kommen fast zu 100% innerhalb von 4 Wochen zum Laden und werden eingelöste, da sich kein Besitzer dieses "Geschenk" entgehen lassen will.

Mit anderen Worten: Nur wenn der Gutschein aus wertlosem Material ist und eine begrenzte Laufzeit hat, wird er seine Funktion voll warnehmen.

Zurück zum Geld. Ein Staat überlegt sich, eine Währung einzuführen. Zweck ist der möglichst reibungslose Austausch von Waren und Dienstleistungen über das Zwischentauschmittel Geld. Man überlegt sich wieder drei gurndsätzliche Möglichkeiten:

a) Goldgeld (Goldwert entspricht dem aufgedruckten Nennwert)

b) Papiergeld mit unbegrenzter Laufzeit

c) Papiergeld mit begrenzter Laufzeit von 4 Wochen - nach 4 Wochen muß das Geld gebührenpflichtig aufgewertet werden.

Wie wird das ganze wohl ablaufen?

a) Das Goldgeld verschwindet immer mehr im Keller, unter der Erde, im Tresor... Nur ein keleiner Bruchteil wird überhaupt von Hand zu Hand gegeben. So ein glitzerndes, funkelndes Stück gibt niemand so gerne wieder aus der Hand und wenn dann nur, wenn ihm eine "Belohnung", ein Zins dafür geboten wird - das Zinssystem ist geboren!.

b) Das Paiergeld mit unbegrenzter Gültigkeit wird zwar viel schneller als das Goldgeld weitergegeben, jedoch lassen sich die Besitzer mit dem Ausgeben Zeit - es ist ja unbegrenzt gültig. Dadurch entsteht in der Wirtschaft ein permanenter Mangel an Zahlungsmitteln. Durch diesen Mangel lassen sich die Geldbesitzer die Herausgabe der Währung "angemessen" entlohnen - mit Zins und Zinseszins!

c)Einzig das Geld mit begrenzter Laufzeit wird gerne und freiwillig (auch ohne Zins zu fordern) von Hand zu Hand weitergegeben, weil niemand Lust hat, Aufwertungsgebühren zu zahlen.

Allein bei diesen einfachen Überlegungen sollte es doch jedem normal denkenden Menschen klar sein, wie eine Währung gestaltet sein muß, damit sie reibungslos funktionieren kann. Goldgeld ist dabei das schlechteste Geld.

Gold ist kein absoluter Wert

In der weiteren Diskussion wird immer gerne von Goldbefürwortern darauf hingewiesen, "daß doch Papiergeld keinen Wert" hätte. Übersehen wird dabei, daß es absolute Werte gar nicht gibt. Auch Gold kann wertlos werden: Ein Verdurstender in der Wüste würde bspw. ein Glas Wasser einem Goldbarren vorziehen - ja er würde alles Gold der Welt für das "wertlose" Glas Wasser geben!

Wie wertvoll Papiergeld ist wird an folgendem Beispiel deutlich:

Frage: In welches Haus wird ein Einbrecher einsteigen?
a) Haus A mit 1 Mio. Euro Bargeld
b) Haus B mit 100 kg Gold (= ca. 1 Mio. Euro Wert)

Er wird mit Sicherheit Haus A wählen, weil er das Gold erst einmal mühsam wegschleppen, und zudem es riskant verkaufen müßte um das eigentlich begehrte Geld zu bekommen.

Die falschen Vorstellungen zum Gold setzen sich fort wenn es ums Thema Geldanlage geht:

Gold - keine absolut sichere Geldanlage

Vielfach wird heute angenommen, daß Gold eine "absolut sichere" Geldanlage wäre. Genau wie vor drei Jahren für Investments in Aktien geworben wurde, wird nun weltweit für ein Engagement in Gold geworben. In Japan sind bereits landesweite Seminare und ganzseitige Werbeanzeigen in den Zeitungen erschienen, begleitet mit Werbespots im Fernsehen, welche die Leute ins Gold locken sollen. Dies allein sollte bereits skeptisch stimmen, da nie für irgendetwas Werbung gemacht wird, womit die Menschen wirklich Geld gewinnen könnten.

Tatsächlich ist Gold nur in einer Inflation von Nutzen, in einer Deflation verliert es (wie alle anderen Metalle auch) an Wert. Das Szenario für den kommenden Crash sieht dann folgendermaßen aus:

Ein Crash erschüttert das Vertrauen der Menschen in die Märkte. Jeder ist deshalb bestrebt seine Ersparnisse so schnell wie möglich nach Hause zu holen (bevor die Banken bankrott gehen). Weil damit Geld in der Wirtschaft fehlt, steigt der Geldwert, bzw. fällen die Preise für alle Waren. Geld wird also wertvoller. Schnell merken die Goldbesitzer, daß sie eigentlich Geld bräuchten um die täglichen Einkäufe zu tätigen. Sie erkennen, daß an der Kasse der Kaufhäuser zwar Bargeld mit Handkuß genommen, Gold jedoch nicht akzepiert wird. Infolgedessen sind sie dazu gezwungen Gold zu jedem Preis zu verkaufen. Da dies dann im großen Stil geschieht, fällt der Goldpreis plötzlich und das Edelmetall verliert seinen Glanz.

Gold ist damit zwar zur Risikostreuung zu empfehlen, keinesfalls jedoch als ausschließliche Geldanlage.

Gefährliche Diskussion um Goldgeld

Die Diskussion um Goldgeld ist sehr gefährlich. Damit werden uninformierte Leute mit psychologischen Mitteln gefangen und eine eigentliche Problemlösung durch eine grundlegende Geldreform wird verhindert. Es ist deshalb heute sehr wichtig, daß die Bevölkerung über die Bestrebungen interessierter Kreise aufgeklärt wird, welche an der Einführung einer Goldwährung (zum eigenen Nutzen!) arbeiten.



wer redet denn von goldgeld? es wird kommen wie es immer kam.
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